Musik

Dubstep – Mehr als nur ein Trend?

Seit einigen Jahren hallen ungewohnte Klänge durch die britischen Clubs. Ein mächtiger, rhythmisch blubbernder Bass, langsame, tribalistische Breakbeats, düstere Riffs und schräge Soundeffekte – das sind die Markenzeichen des Dubsteps, einer erst wenige Jahre alten Musikrichtung, die zunehmend auch die deutschen Dancefloors erobert.

Die Anfänge des Dubsteps liegen in den späten 90ern, als die britischen Musikproduzenten Steve Gurley, Oris Jay, El-B und Zed Bias begannen, den Südlondoner 2-step- und Garage-Sound mit Elementen aus Drum’n’Bass, Dub und Breakbeat zu mixen. Anfangs hatte der neue Musikstil noch keinen eigenen Namen, und die ersten Tracks fanden auf den B-Seiten einiger Garage-Singles ihren Weg zur Hörerschaft. Der Begriff Dubstep ist eine Erfindung des Londoner Eventorganisators und Labelbetreibers Ammunition Promotions, der schon früh damit begann, den neuen Sound als eigenständige Musikrichtung zu vermarkten.

Für den endgültigen Durchbruch sorgte der 2001 gegründete Club Forward>>, ebenfalls ein Projekt von Ammunition Promotions. Forward>> etablierte eine regelmäßig stattfindende Partyreihe in den Velvet Rooms in Soho und betrieb zudem eine Radioshow auf dem Ostlondoner Piratensender Rinse FM. Ein früher Dubstep-Unterstützer war auch der legendäre Radio-DJ und Musikprophet John Peel, der das junge Genre im Jahre 2003 in einer seiner letzten Shows beim britischen Musiksender BBC Radio 1 vorstellte.

Auch der Südlondoner Plattenladen von Big Apple Records (heute Mixing Records) spielte eine wichtige Rolle in der frühen Phase des Dubsteps. Hatcha und Skream, zwei der bekanntesten britischen Dubstep-Produzenten, hatten hier ihren Arbeitsplatz, und viele Szenegrößen wie Plastician, N Type, Walsh, El-B und Zed Bias waren regelmäßig zu Gast.

Ab 2005 wurde Dubstep zunehmend auch außerhalb Großbritanniens bekannt. Für eine weltweite Welle der Popularität sorgte 2006 der Science-Fiction-Film Children of Men, dessen Soundtrack einige Stücke der bekannten Dubstep-Produzenten Kode9, Random Trio, Digital Mystikz, DJ Pinch und Pressure enthielt.

Stilistisch hat sich das Spektrum des Dubsteps in den letzten Jahren stark erweitert. Während viele europäische Produzenten am düsteren, basslastigen Sound festhalten, setzen amerikanische Künstler wie Skrillex und 6Blocc vermehrt auf aggressive, übersteuerte Riffs, kreischende Pads und obskure Noise-Effekte. Auch Ambient- und R’n’B-Elemente erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Inzwischen ist Dubstep im Mainstream angekommen und hat mehrere, teilweise nicht ganz ernst gemeinte Subgenres hervorgebracht. Dubstep ist damit auf dem besten Weg, der Drum’n’Bass des laufenden Jahrzehnts zu werden.