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Sollte man Musik hören neben dem Lernen?

Lassen Sie uns zunächst mit einigen der verbreiteten Mythen aufräumen, die Sie vielleicht über Musik und Lernen gehört haben, angefangen mit dem Mozart-Effekt. Der Mozart-Effekt beschreibt eine kurze 10-15-minütige Verbesserung der räumlich-zeitlichen Fähigkeiten von Studenten nach dem Anhören einer Mozart-Klaviersonate. Genauer gesagt beschränkt sich diese Verbesserung auf eine einzige abstrakte mentale Rotationsaufgabe, aber in den 90er Jahren wurde dies zu einer wissenschaftlichen Legende, bei der Laien überzeugt waren, dass das Hören von Mozart ihre Kinder intelligenter machen würde.

Und ich erinnere mich, dass ich in der Grundschule von mehreren Lehrern aus genau diesem Grund längere Zeit arbeiten musste, während wir klassische Musik hörten. Dieser Befund wurde ursprünglich von Rauscher und Kollegen im Jahr 1993 festgestellt, aber Versuche, diese Ergebnisse durch andere Forscher zu wiederholen, haben gemischte Ergebnisse erbracht. Pietschnig und Kollegen führten 2010 eine Meta-Analyse durch, d. h. sie analysierten systematisch Dutzende von Studien zum Mozart-Effekt, um festzustellen, was die gesamte wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema zu sagen hat.

Interessanterweise fanden sie heraus, dass Studien, die mit bestimmten Labors in Verbindung gebracht wurden, wie z. B. dem Labor von Rauscher, viel eher positive Ergebnisse lieferten. Darüber hinaus wiesen sie eine verwirrende Publikationsverzerrung nach, so dass die gemeldeten Auswirkungen nach unten korrigiert werden mussten.

Ihre Schlussfolgerung? „Im Großen und Ganzen gibt es kaum noch Belege für einen spezifischen, leistungssteigernden Mozart-Effekt. Man kann mit Sicherheit sagen, dass der Mozart-Effekt weder die Intelligenz der Kinder noch die schulischen Leistungen verbessert und nicht einmal die langfristigen räumlichen Fähigkeiten steigert. Um festzustellen, ob und wann Sie beim Lernen Musik hören sollten, müssen wir zunächst die entsprechenden Hypothesen untersuchen. Es gibt einige Hypothesen, die sich auf Erregungszustände und ihre Auswirkungen auf die Leistung beziehen.

Erstens besagt die Erregungshypothese, dass Musik zu einem optimalen Erregungsniveau im Gehirn führt und damit die Leistung bei kognitiven Aufgaben verbessert. Die Stimmungshypothese besagt, dass Musik, die Sie genießen, Sie eher in eine positive Stimmung versetzt, was letztlich den Erregungszustand verbessert und somit die Leistung bei räumlichen Aufgaben steigert.

Die Präferenzhypothese schließlich besagt, dass das Hören von Musik, die man bevorzugt, die Erregung steigert und damit die kognitive Leistung verbessert. Andere haben eine Rhythmustheorie vorgeschlagen, wonach der Rhythmus der Musik das Kleinhirn aktiviert und bei räumlichen Denkaufgaben hilft. Keine dieser Hypothesen ist jedoch stichhaltig, und jede von ihnen weist erhebliche Defizite bei der Erklärung der wissenschaftlichen Ergebnisse auf.

Vielmehr müssen wir einen individuelleren Ansatz für Musik und Lernen wählen, denn es scheint, dass drei Faktoren ausschlaggebend dafür sind, ob Musik beim Lernen von Vorteil ist: der Persönlichkeitstyp, die Art der Arbeit und die Art der Musik. Christopher und Kollegen stellten 2017 die Hypothese auf, dass Unterschiede in der Aufmerksamkeit und der Kapazität des Arbeitsgedächtnisses das Ausmaß beeinflussen, in dem Musik die Leistung beeinflusst. Sie kamen zu dem Schluss, dass je höher die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses einer Person ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie von Musik beeinflusst wird, zumindest beim Leseverständnis.

Dobbs und Kollegen fanden 2011 heraus, dass sich Musik bei Introvertierten nachteilig auf die Leistung auswirkt, bei Extravertierten dagegen weniger. Dies stimmt mit Eysencks Theorie der kortikalen Erregungszustände überein, die besagt, dass Extravertierte unterstimuliert sind und mehr Stimulation wünschen, während Introvertierte bereits überstimuliert sind und daher Situationen vermeiden, die die Erregung weiter erhöhen.

Anderson und Fuller fanden 2010 eine interessante Verbindung zwischen Metakognition und Musik. Metakognition ist im Wesentlichen das Denken über das Denken und umfasst die Fähigkeit, die eigenen mentalen Prozesse und Aktivitäten zu regulieren. Da es zahlreiche Belege dafür gibt, dass Musik beim Lernen nicht optimal ist, gehen sie davon aus, dass diejenigen, die sich dafür entscheiden, ein Defizit in der Metakognition haben könnten. Sie ließen Studenten wählen, ob sie mit Musik oder in Stille lernen wollten, und fanden heraus, dass diejenigen, die lieber Musik hörten, während sie lernten, bei einer Bewertung des Leseverständnisses deutlich schlechter abschnitten. Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass die Art der Arbeit ein Schlüsselfaktor für die Entscheidung ist, ob Musik angemessen ist oder nicht.